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Check-up für Jugendliche: persönliche Ansprache wichtig

17.10.2016

Der Check-up J1 soll dazu beitragen, körperliche und psychische Probleme von Jugendlichen frühzeitig zu erkennen. Doch wer sich fit und gut drauf fühlt, hat im Alter von 13 oder 14 Jahren zumeist andere Prioritäten. Während an den Vorsorgeuntersuchungen im Kindesalter (U1-U9) noch 80 bis 100 Prozent der Kinder teilnehmen, rauschen die Raten bei den späteren Untersuchungen nach unten. Eine Folge-Studie der Wissenschaftler vom Versorgungsatlas zeigt, dass 46 bis 48  Prozent  der gesetzlich versicherten Jugendlichen der Geburtsjahrgänge 1997 bis 1999 an der J1-Untersuchung teilgenommen haben. „Im Vergleich dazu hatten wir bei der Basisuntersuchung im Jahr 2013 nur eine Teilnahmerate von knapp über 43 Prozent gefunden“, sagt Dr. Mandy Schulz, Erstautorin der Studie. Auffallend seien jedoch nach wie vor die gravierenden regionalen Unterschiede.

Deutliche regionale Unterschiede gibt es sowohl auf der Ebene der Bundesländer als auch auf Kreisebene. Rheinland-Pfalz ist mit Teilnahmeraten zwischen 58 und 60 Prozent der Spitzenreiter unter den Bundesländern. Im Schlusslicht Bayern liegen die Raten zwischen 38 und 41 Prozent. Der Spitzenreiter auf Kreisebene ist – wie bei der vorausgegangenen Untersuchung - bei allen drei Jahrgängen der Landkreis Mettmann in Nordrhein-Westfalen mit Werten zwischen knapp 74 und 76 Prozent. Ähnlich wie in Rheinland-Pfalz und Brandenburg laden die Gesundheitsbehörden dort nicht nur die Eltern, sondern auch die Jugendlichen selbst persönlich ein. Es gibt auch erste Hinweise, dass die bundesweite Kampagne „Your Next Top Check-Up J1“ der Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) im Jahr 2012 einen positiven Einfluss hatte. „Für definitive Aussagen ist es allerdings noch zu früh“, sagt Dr. Bätzing-Feigenbaum, Leiter des Versorgungsatlas.

Positive Entwicklungen verzeichneten die Wissenschaftler beim Schlusslicht auf Kreisebene: Der Landkreis Miesbach in Oberbayern konnte sich von 1997 (23%) über 1998 (26%), bis 1999 auf 30 Prozent verbessern. Neues Schlusslicht war bei diesem Jahrgang der Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt mit zuletzt 29 Prozent.

Persönliche Ansprache wichtig. In Regionen, wo die Behörden die Jugendlichen direkt und persönlich einladen, liegen die Teilnahmeraten durchschnittlich höher als in anderen. „Diese Ansprache signalisiert Wertschätzung, was natürlich bei den jungen Leuten nachvollziehbarer Weise gut ankommt“, interpretiert Dr. Bätzing-Feigenbaum die Ergebnisse. Die Daten zeigen auch, dass lokale und regionale Maßnahmen grundsätzlich eine stärkere Wirkung entfalten als überregionale Einflüsse. „Diese Erkenntnis gilt es zu nutzen“, betonen die Wissenschaftler vom Versorgungsatlas. „Um die Teilnahmeraten weiter zu steigern, ist es wichtig, Maßnahmen zu entwickeln, die jeweils zu den lokalen Verhältnissen passen.“ Davon würde auch die Gesundheitsversorgung Jugendlicher insgesamt profitieren.

 

DIE STUDIE. Die Wissenschaftler hatten bei ihrer Studie die pseudonymisierten Abrechnungsdaten aus Arztpraxen von knapp einer Million Jugendlichen ausgewertet, die  in den Jahren 2009 bis 2014 am J1-Gesundheits-Check teilgenommen hatten. Die erforderlichen Abrechnungsdaten werden von den regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen zur Verfügung gestellt.


DER VERSORGUNGSATLAS. www.versorgungsatlas.de ist eine Einrichtung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi). Er wurde institutionalisiert als öffentlich zugängliche Informationsquelle mit Studien zur medizinischen Versorgung in Deutschland. Schwerpunkt der Studien sind regionale Unterschiede in der Versorgung sowie deren unterschiedliche Strukturen und Abläufe. Die Analysen sollen Anhaltspunkte liefern, wie die Versorgung verbessert werden kann. Die Studien der Wissenschaftler des Versorgungsatlas basieren auf den bundesweiten Abrechnungsdaten der vertragsärztlichen Versorgung in Deutschland.  Zuschriften von Nutzern zu den Beiträgen sind ausdrücklich erwünscht. Die Internet-Plattform steht auch anderen Forschergruppen zur Verfügung, die vorzugsweise regionalisierte Untersuchungsergebnisse nach einem Peer-Review veröffentlichen wollen.

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Dipl. Biol. Barbara Ritzert

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