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Schwangere gegen Influenza zumeist unzureichend geschützt

23.03.2017

Infizieren sich werdende Mütter mit der echten Grippe (Influenza), erkranken sie schwerer als andere Frauen. Ihre Sterblichkeit ist höher sowie das Risiko, dass sie eine Frühgeburt erleiden. Ist die Schwangere indes gegen Grippe geimpft, wirkt sich diese Immunisierung auch positiv auf das Neugeborene aus. Die Säuglinge geimpfter Frauen müssen  in den ersten sechs Lebensmonaten seltener wegen schwerer Atemwegsinfektionen in einem Krankenhaus behandelt werden. Darum empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) seit 2010 für Schwangere eine saisonale Influenza-Impfung.

Allerdings wird diese Empfehlung regional unterschiedlich umgesetzt. Das zeigt eine Untersuchung der Wissenschaftler vom Versorgungsatlas. Die Forscher haben erstmals auf der Basis bundesweiter ärztlicher Abrechnungsdaten den Impfstatus von jeweils rund 450.000 werdenden Müttern in den Jahren 2010 bis 2014 erhoben. Die Untersuchung umfasste somit in jedem Untersuchungsjahr jeweils 75 Prozent aller gesetzlich versicherten Schwangeren.

Mehr Impfungen im Norden und Nordosten – Bayern Schlusslicht. Im Bundesdurchschnitt waren im Jahr 2010 zehn Prozent und 2014 elf Prozent der Schwangeren effektiv gegen einer Grippe geschützt. »Effektiv« bedeutet, dass die Forscher auch Impfungen erfasst hatten, die vor Beginn der Schwangerschaft erfolgt waren und noch ihre schützende Wirkung entfalteten. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern schwankten 2014 zwischen 24 Prozent in Sachsen-Anhalt und sechs Prozent in Bayern.

Massive Unterschiede auf Kreisebene. Noch ausgeprägter sind die Unterschiede auf der Ebene der Kreise. Hier schwanken die Werte zwischen knapp einem Prozent in vier bayerischen Kreisen (Dingolfing, Garmisch-Partenkirchen, Kaufbeuren und Pfaffenhofen) und 30 bis 38 Prozent in drei Landkreisen in Sachsen Anhalt (Jerichower Land, Altmarkkreis Salzwedel, Börde) und dem Kreis Helmstedt in Niedersachsen. Weitere Impfschwerpunkte fanden die Forscher in Brandenburg, Schleswig-Holstein sowie in einzelnen Kreisen in der Mitte Deutschlands und in Nordrhein-Westfalen. Diese ausgeprägten Unterschiede weisen auf regional und lokal unterschiedliche Einstellungen bei Bevölkerung und Ärzten gegenüber der Grippeimpfung im Allgemeinen und bei Schwangeren im Besonderen hin«, erklärt Dr. Jörg Bätzing-Feigenbaum, der Leiter des Versorgungsatlas. Die Gründe dafür sollten in weiteren Studien untersucht werden. Insgesamt gelte es, die Impfraten gegen Influenza zu verbessern.

DIE STUDIE. Die Untersuchung wurde mit den bundesweiten vertragsärztlichen Abrechnungsdaten der Jahre 2009 bis 2015, den sogenannten VDX-Daten durchgeführt. Auf einer sehr komplexen methodischen Grundlage wurden für die Jahre jeweils Schwangerenkohorten gebildet. Die Größe der Kohorten umfasste zwischen 444.375 und 478.444 Schwangere, jeweils etwa 75 % aller Schwangerschaften bei Frauen, die in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert sind. Berechnet wurde der Anteil der Schwangeren pro Kohorte, die während der Schwangerschaft geimpft worden waren, die sogenannte „Basisimpfrate“. Außerdem wurden bereits vor dem Eintreten der Schwangerschaft veranlasste Influenzaimpfungen berücksichtigt, durch die auch während der Schwangerschaft noch Impfschutz bestand. Zusammen mit der „Basisimpfrate“ ergibt dies die „effektive Impfrate“. Die Impfraten wurden für alle Landkreise und kreisfreien Städte berechnet. Außerdem wurden statistische Methoden eingesetzt, um  (räumliche) Zusammenhänge zu erkennen.

Bätzing-Feigenbaum J, Schulz M, Dammertz L, Goffrier B. Impfung gegen saisonale Influenza in der Schwangerschaft gemäß STIKO-Empfehlung - Analyse anhand von Schwangerschaftskohorten 2010 bis 2014. Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi). Versorgungsatlas-Bericht Nr. 17/06. Berlin 2017. DOI: 10.20364/VA-17.06. URL: www.versorgungsatlas.de/themen/alle-analysen-nach-datum-sortiert/

DER VERSORGUNGSATLAS. www.versorgungsatlas.de ist eine Einrichtung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi). Es ist eine öffentliche Informationsquelle mit Studien zur medizinischen Versorgung in Deutschland. Schwerpunkt  sind regionale Unterschiede in der Versorgung. Die Analysen sollen Anhaltspunkte liefern, wie die Versorgung verbessert werden kann. Die Studien der Wissenschaftler des Versorgungsatlas basieren auf den bundesweiten Abrechnungsdaten der vertragsärztlichen Versorgung in Deutschland. Die Plattform steht auch anderen Forschergruppen für Publikationen zur Verfügung.

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Pressekontakt

Dipl. Biol. Barbara Ritzert

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