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Antibiotikaverordnungen in der ambulanten Versorgung in Deutschland bei bestimmten Infektionserkrankungen in 2009 - Teil 1 und 2

Versorgungsatlas-Bericht Nr. 14/04

Hintergrund: Angesichts zunehmender Erregerresistenzen sollte in der Humanmedizin ein der Indikation angemessener Einsatz von Antibiotika angestrebt werden. Diese Studie schafft einen Überblick über ambulante Antibiotikaverordnungsprävalenzen bei bestimmten Infektionserkrankungen. Die Ergebnisse sollen ambulant tätige Ärzte bei der indikationsbezogenen Antibiotikaverordnung unterstützen, um darüber zu einer Verbesserung der Antibiotikaresistenzlage beizutragen.

Methodik: Datengrundlage bildeten vertragsärztliche Abrechnungsdaten gemäß § 295 SGB V und Arzneiverordnungsdaten gemäß § 300 Abs. 2 SGB V des Jahres 2009, welche bundesweit und kassenübergreifend vorlagen. Im Fokus standen häufige ambulant behandelte Erkrankungen: Infektionen der oberen und unteren Atemwege, Pharyngitis/Tonsilitis, Pneumonie, Otitis media, Scharlach und unkomplizierte Harnwegsinfektionen. Einschlusskriterien waren das Vorliegen nur einer dieser Diagnosen, keiner weiteren Infektionskrankheit und keiner Schwangerschaft innerhalb eines Behandlungsquartals. Erstverordnungen von Antibiotika (ATC-Viersteller der Gruppe J01) im selben Quartal wurden mit diesen Fällen verknüpft. Daraus wurde die Gesamtverordnungsprävalenz je Erkrankung und eine differenzierte Betrachtung nach Wirkstoffen abgeleitet. Die Antibiotikaverordnungsprävalenzen allgemein sowie die von Chinolonen im Besonderen wurden mit Qualitätsindikatoren des European Surveillance of Antimicrobial Consumption project (ESAC) abgeglichen. Darüber hinaus erfolgte ein regionaler Vergleich der Bereiche der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) sowie der alten und neuen Bundesländer.

Ergebnisse: Die Verordnungsraten von Antibiotika lagen zum Teil über, zum Teil unter den Indikatoren der ESAC: Atemwegsinfektionen (30,6% / Empfehlung: 0-30%), Pharyngitis/Tonsilitis (59,5% / 0-20%), Scharlach (81,5% / keine Quantifizierung), Pneumonie (53,7% / 90-100%), Otitis media (36,5% / 0-20%), Harnwegsinfektionen (57,5% / 80-100%). Mit Ausnahme von Scharlach zeigten sich in den neuen Bundesländern niedrigere Verordnungsraten als in den alten Bundesländern (maximale Differenz: 10 Prozentpunkte bei Otitis media und Harnwegsinfektionen). Chinolone wurden hingegen bei allen untersuchten Erkrankungen in den neuen Bundesländern häufiger eingesetzt als in den alten. Die höchsten Chinolonverordnungsraten zeigten sich bei der Pneumonie (25,9%) und bei Harnwegsinfektionen (45,0%). Von der ESAC wurde für alle untersuchten Erkrankungen ein maximaler Anteil von 5% Chinolonen an den jeweils eingesetzten Antibiotika empfohlen. Diese Schwelle wurde nur bei Pharyngitis/Tonsilitis und Scharlach nicht überschritten.

Diskussion: In Abhängigkeit vom behandelten Krankheitsbild wurden den Empfehlungen entsprechende, aber auch darüber hinaus gehende Antibiotikaverordnungsraten beobachtet, die sich regional teilweise deutlich unterschieden. Insbesondere der Einsatz von Chinolonen sollte unter Berücksichtigung der Entwicklung der Antibiotikaresistenzlage im Auge behalten und idealerweise weiter reduziert werden.

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Bericht Teil 1 - Hintergrund, Methode und Hauptergebnisse

Bericht Teil 2 - Krankheitsspezifische Analyse auf regionaler Ebene

Infoblatt

Abstract (englisch)

Schlagwörter (Keywords): Antibiotika, Arzneiverordnung, Evidenz-basierte Medizin, Infektionskrankheiten, Leitlinien, Reserveantibiotika, Therapie, Verordnungsraten

Zitierweise des Berichts vom 20.06.2014
Schulz Maike, Kern WV, Hering R, Schulz Mandy, Bätzing-Feigenbaum J.
Antibiotikaverordnungen in der ambulanten Versorgung in Deutschland bei bestimmten Infektionserkrankungen in 2009 - Teil 1 und 2.
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi).
Versorgungsatlas-Bericht Nr. 14/04.
Berlin 2014
DOI: 10.20364/VA-14.04
Link: http://www.versorgungsatlas.de/themen/alle-analysen-nach-datum-sortiert/?tab=6&uid=46