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Zusammenhang zwischen sozio-ökonomischer Deprivation und dem Krebsüberleben in Deutschland (1997 - 2006)

Versorgungsatlas-Bericht Nr. 14/10

Krebserkrankungen und das Überleben einer solchen Erkrankung sind Forschungsthemen von weltweiter Relevanz. In vielen Ländern –auch solchen, die über ein umfassendes uns leistungsfähiges Gesundheitssystem verfügen – und für viele Krebsarten kann ein Zusammenhang zwischen dem sozio-ökonomischen Umfeld der Krebspatienten und deren Überleben nach einer Krebserkrankung nachgewiesen werden. Ob dieser Zusammenhang, der ursächlich vermutlich auf Unterschiede in den Patientencharakteristika (z.B. Lebensstilfaktoren, Begleiterkrankungen), Tumorcharakteristiken (z.B. Stadium) und in der medizinischen Versorgung zurückzuführen ist, auch in Deutschland vorhanden ist, wurde bislang noch nicht länderübergreifend untersucht. Um diese Lücke zu schließen, wurden die Daten von Patienten aus elf Bundesländern, bei denen zwischen 1997-2006 im Alter ab 15 Jahren eine der 25 häufigsten Krebsarten diagnostiziert wurde, analysiert. Als Maß für die sozio-ökonomische Deprivation wurde der Index Multipler Deprivation für Deutschland (German Index of Multiple Deprivation, GIMD) auf Kreisebene genutzt.

In die Analyse gingen Daten von 983.601 Patienten ein. Ohne eine Differenzierung nach Krebsart, zeigte sich bereits nach den ersten drei Monaten nach der Diagnose ein Zusammenhang zwischen dem Überleben und der regionalen Deprivation. Wird die Nachbeobachtungsspanne auf fünf Jahre erweitert, wird deutlich, dass sich dieser Unterschied im Laufe der Zeit sogar noch vergrößert. Während Patienten, die in den wohlhabendsten Kreisen leben, ein relatives 5-Jahres-Überleben von 63.5% hatten, war die 5-Jahres-Überlebensrate von Patienten, die in Kreisen mit der mit höchsten Deprivation lebten, mit 56,5% um sieben Prozentpunkte erniedrigt. Dieser Unterschied kann nicht mit einer unterschiedlichen Stadienverteilung erklärt werden. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken und wirksame Strategien zur Überwindung der beobachteten Unterschiede zu identifizieren, ist es notwendig, die mit der sozio-ökonomischen Situation assoziierten Ursachen der Divergenzen im Krebsüberleben zu erforschen.

Die Studie wurde 2014 im International Journal of Cancer publiziert: Jansen L, Eberle A, Emrich K, Gondo, A, Holleczek B, Kajüter H, Maier W, Nennecke A, Pritzkuleit R, Brenner H and for the GEKID Cancer Survival Working Group. Socioeconomic deprivation and cancer survival in Germany: An ecological analysis in 200 districts in Germany. Int J Cancer 2014; 134: 2951–2960.

DOI: 10.1002/ijc.28624

Infoblatt vom 10.12.2014

Schlagwörter (Keywords): Deprivation, Krebserkrankungen, Krebsregister, Periodenanalyse, regionale Unterschiede, sozio-ökonomisches Umfeld, Überlebensraten, Zeitreihe

Zitierweise des Berichts vom 10.12.2014
Jansen L, Eberle A, Emrich K, Gondos A, Holleczek B, Kajüter H, Maier W, Nennecke A, Pritzkuleit R, Brenner H.
Zusammenhang zwischen sozio-ökonomischer Deprivation und dem Krebsüberleben in Deutschland (1997 - 2006).
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi).
Versorgungsatlas-Bericht Nr. 14/10.
Berlin 2014
DOI: 10.20364/VA-14.10
Link: http://www.versorgungsatlas.de/themen/gesundheitsindikatoren/?tab=6&uid=52